"Nürnberg ist bunt, nicht braun!" Wie Lokalpatrioten den Radikalpatrioten eine Abfuhr erteilen Der 1.Mai ist der Feiertag, an dem das arbeitende Volk geehrt und sein - ewig unerfüllter - Anspruch auf vollwertige Teilhabe am Wirtschaftserfolg des Landes in Erinnerung gehalten wird. Kein Wunder, dass sich da verschiedene Anwälte des deutschen Arbeiters zu Wort melden, um zu verkünden, worauf der für seinen Dienst ein Recht hätte und worin die Pflichten des Staates ihm gegenüber bestünden. So auch die NPD. Das wird allerdings für so „unerträglich“ gehalten, dass man ihre Kundgebung am liebsten verbieten würde. Da es die geltende Rechtslage aber nur hergibt, sie in eine finstere Ecke abzudrängen, tritt das „bunte Nürnberg“ zu einer Gegenkundgebung an, auf der Innenminister Beckstein die Ausgrenzung der Braunen aus der Gemeinschaft der anständigen Nürnberger begründet: „Wir dürfen es der NPD und anderen Rechtsextremisten nicht durchgehen lassen, wenn sie mit fremdenfeindlichen, antisemitischen und sozialdemagogischen Thesen die in der Bevölkerung vorhandenen Sorgen und Verunsicherungen für ihre extremistischen Ziele instrumentalisieren“ !Während für die Neonazis Armut und Arbeitslosigkeit ein Indiz für die Pflichtvergessenheit der regierenden Demokraten sind, die die Nation fremden ‚Schmarotzern’ in Gestalt ebenso armen Arbeitenden und Arbeitslosen ausliefern, weiß der Oberabschieber Beckstein bekanntlich zu unterscheiden. Es gibt nämlich Ausländer, ‚die wir brauchen’ und solche, die hier nur störend rumhängen, weil ‚wir’ sie nicht brauchen. Mit solch differenzierender „Fremdenfeindlichkeit“ darf sich der Innenminister dann auch auf die „Sorgen und Verunsicherungen in der Bevölkerung“ berufen und diesen den Auftrag entnehmen, mit jeder Sorte Ausländer genau so zu verfahren, wie er und seinesgleichen es für nützlich halten. Auch die Gewerkschaft ist sich sicher, dass die nationalen Alternativen der Rechten ganz schlimme Konsequenzen für den deutschen Arbeiter und seine Heimat beinhalten. Die „nationalen Lösungen der Rechtsextremisten“ als Antwort auf die „Ängste vor der Globalisierung“ wären nämlich „für ein Land wie den ‚Exportweltmeister Deutschland verheerend.“ Für die Redner der anerkannten Maikundgebung ist es kein Geheimnis, dass der Erfolg deutscher Wirtschaft auf dem umkämpften Weltmarkt für ihre Klientel mit mehr Arbeit und sinkenden Löhnen für immer Weniger einhergeht, am Kornmarkt beklagte sie wortreich die „Armutslöhne im Versand“, „Rente mit 67 und die „vielgescholtene Gesundheitsreform“. Als Einwand gegen die Rolle des arbeitenden Volks als kostengünstige Variable für den Profit sind diese Klagen allerdings genauso wenig gedacht wie die Empörung von rechts über die Missachtung der anständigen und fleißigen Volksgenossen. Wie die „Rechtsextremisten“ beurteilen die demokratischen Arbeitervertreter die um sich greifende Armut vom Standpunkt der Nation und kommen zu dem Ergebnis, dass das „für ein Land wie Deutschland“ wohl so sein muss. Wo die NPD es als Verrat der Regierenden an der Nation geißelt, im Ausland für ‚Arbeitsplätze’ zu sorgen, anstatt die eigene Bevölkerung gegen einen bescheidenen Lohn als Ressource für Staat und Wirtschaft zu nutzen, wirft die Gewerkschaft den Nationalisten von rechts vor, die Notwendigkeiten des deutschen Kapitalismus zu ignorieren. Der rechten Kritik hält sie die Abhängigkeit der Arbeiter von der Wirtschaft, die aus ihm Profit schlägt, entgegen: Deutsche Wertarbeit braucht niedrige Löhne allüberall und hohe ‚Produktivität’ – und auf dieses Lebensmittel verpflichtet die Gewerkschaft ihre Basis. Angstmachen darf einem die ‚Globalisierung’ schon, einen wie auch immer gearteten Widerstand dagegen hat man aber zu unterlassen – zumal man seine „Ängste“ einer Interessensvertretung überantworten kann, die an die Regierung an Tagen wie dem 1. Mai den Antrag stellt, den Mindestlohn von 3 auf sage und schreibe 7,50 E anzuheben .. Das zu einer Gegenkundgebung mobilisierte „bunte Nürnberg“ ergreift die Gelegenheit und demonstriert, dass es das von den Faschisten propagierte Ideal von Volk und Staat ganz auf die lockere Tour hinkriegt und dabei niemanden ausschließt - bis auf die „Ewiggestrigen“: „Fern von parteipolitischem Gezänk (das war dem Führer zutiefst zuwider!) bilden hier die demokratischen Kräfte in Nürnberg, einschließlich der Gewerkschaften, Kammern und Kirchen, eine überzeugende (?) Einheit. Eben: Von CSU bis Linkspartei, vom Hartz4ler und Mehrfachjobber bis zu der Schicht der Verdienten und Verdienenden sehen sie von allen ihren Gegensätzen ab und wollen nur noch als Nürnberger wahrgenommen werden, die sich von dahergelaufenen Alternativpatrioten nicht auseinander dividieren lassen. So bekennen sie sich dazu, dass die Ordnung, die nicht wenige von Ihnen unter die Räder kommen lässt, vor allen Interessen rangiert. Und die Autonomen und Antifas? Lassen sich von den Becksteins nicht einwickeln sondern sind die einzig echte ‚Speerspitze gegen rechts’, jedes Mal und immer wieder. Und liefern so ganz „unfreiwillig“ohne wohlgelitten zu sein den Beweis, dass sie ganz gut ins bunte Nürnberg passen. (Alle Zitate aus NN v. 3.5.07) www.sozialistischegruppe.de/hefte/2007/buntgegenbraun.txt