Die Sehnsucht nach dem gehorsamen Willen als Natur Die Menschwerdung des Menschen Man kann sich ja viel über DEN MENSCHEN denken. Dann bewegt man sich in ziemlich wilden Spekulationen derart, dass er von Staub zu Staub wird, ob er zum Fortschritt neigt, ob er im Prinzip gut oder böse ist, usf. Man denkt sich Bestimmungen des MENSCHEN aus, die seinen Werdegang irgendwie festlegen sollen, und zwar meistens mit der mehr oder weniger ausdrücklichen Aufforderung, dass der MENSCH sich an diese seine Natur gefälligst halten solle. Diese Denkweisen erinnern noch ziemlich deutlich an Glaubenssätze. Ganz anders soll man es auffassen, wenn Politologie, Soziologie, Pädagogik u.a. nicht nur über den MENSCHEN reden, sondern aus ihm sogar den Staat, die Gesellschaft und die Erziehung begründen. Die Rede ist von der anthropologischen Abteilung innerhalb jeder Wissenschaft. Da braucht es den Staat, weil der MENSCH sonst nicht zum wahren Menschen würde. Da braucht es die Gesellschaft, weil der Mensch sonst orientierungslos zugrunde ginge. Da braucht es das Wirtschaften, um zwischen dem maßlosen Menschen und den knappen Gütern zu vermitteln. Da braucht es die Erziehung, weil der Säugling sonst hilflos nicht mehr weiter käme. Diese Ableitung verschiedenster Institutionen unserer Gesellschaft aus DEM MENSCHEN, einem Wesen, das eigentlich jedem, wenn er ehrlich ist, ziemlich unbekannt ist, soll man sogar als Ausgangspunkt von sich ganz empirisch und realitätsnah gebenden Wissenschaftsabteilungen akzeptieren. Die Behauptung, dass der MENSCH ohne Zahnbürste nicht zum MENSCHEN wird, mag niemand in Seminaren beweisen. Plausibel soll aber von vorneherein sein, dass zur Menschwerdung alle Institutionen, die zu unserem Staat wesentlich gehören: Staat, Wirtschaft, Erziehung, Gesetze, unbedingt notwendig sind. Lauter Institutionen, die ansonsten nicht unbedingt als Erfüllung menschlichen Glücks gewertet werden, sollen auf einmal - im Prinzip wenigstens - äußerst menschenfreundlich und nur wegen des Menschen und für ihn da sein? Was ist der MENSCH? Selbstredend handelt es sich bei dieser fundamentalen Was-Frage nicht um die Neugier für Erkenntnisse aus dem Gebiet von Biologie und Medizin. Sondern um das Bedürfnis, ein Menschenbild zu haben. Es geht um das moralische Unterfangen, dem Menschen auf einen Katalog von „Du sollst ...!“-Regeln zu verpflichten und diese Verpflichtung hinterher mit der Natur des Menschen zu legitimieren. Unter diesem Gesichtspunkt wird auch kein einzelnes Bedürfnis des MENSCHEN benannt, wenn davon die Rede ist, was der MENSCH brauche. Die fundamentale Notwendigkeit, die angeführt wird, ist seine MENSCHWERDUNG. Ohne die von der jeweiligen Wissenschaft angeführten Institutionen fiele der Mensch auf eine nicht weiter erläuterte Stufe tierischer Existenz zurück. Die menschliche Existenz an sich sei ohne die ganzen Erfordernisse eine nicht eigentliche. Die in allen Wissenschaften gleiche Grundkonstruktion des MENSCHEN lautet also folgendermaßen: Der MENSCH - ziemlich tierisch mit einem Drang zum Höheren Die erste Hälfte seiner Wesensbestimmung bleibt nicht bei seiner physischen Existenz stehen, sondern etikettiert diese nach ziemlich bekannten moralischen Maßstäben: Maßlos sei der MENSCH, sagen Ökonomen, gewalttätig und zügellos, meinen Politologen, orientierungslos, hilflos, behaupten Pädagogen und Soziologen. Der MENSCH soll sich von vornherein dadurch auszeichnen, dass ihm etwas fehlt. Er ist so bestimmt, dass er notwendig eine zweite Hälfte braucht, weil seine erste schon als Bedürftigkeit bestimmt ist. Der MENSCH soll das Unding eines Mangels sein, eines Fehlens, das sich selbst beseitigen will. Zweitens braucht der Mensch angeblich also Institutionen, die seiner Fähigkeit entsprechen, sich zu zügeln. Er soll dazu selbst a) ein Bedürfnis haben, b) aber nicht in der Lage sein, ohne dass c) die jeweilige Institution ihm zu seiner besseren Hälfte verhilft. Der Mensch ist tierisch, d.h. er benimmt sich daneben, wenn er nicht zugleich das Bedürfnis hätte, dies zu lassen. Er bestellt sich also Institutionen, die ihm zur Korrektur seiner Natur verhelfen, weil er allein nicht dazu in der Lage wäre. So sind die Institutionen ziemliche dei ex machina und eigentlich nur übermenschlich zu erklären. Woher haben sie denn die Fähigkeit, dem Menschen, der trotz seines Bedarfs keinen Halt finden kann, diesen zu bieten? Oder anders: Warum macht sich der Mensch Institute und Regeln, an die er sich anschließend halten muss? Das Paradox, das der anthropologischen Gedankenführung in allen Wissenschaften gemein ist, lautet: Die Institutionen sind für den Menschen da und erfüllen seine Wesensnatur darin, dass sie ihm gegenüber, mit Macht ausgestattet, als Gegensatz auftreten. Die Apologetik von Staat, Gesellschaft, Erziehung usf. lautet damit: Das sind Einrichtungen, die in Gegensatz zum Menschen treten. Aber gerade darin erfüllen sie das Bedürfnis seiner Wesensnatur, tierisch zu sein und sich selbst darin korrigieren zu wollen. Auf der einen Seite sind damit die herrschaftlichen Institutionen dieser Gesellschaft ganz grundsätzlich legitimiert: Ohne sie könne der Mensch nicht leben. Auf der anderen Seite ist ihr Gewaltcharakter gar nicht ganz geleugnet. Im Gegenteil: Zwar wird vom Staat nicht als absoluter Gewalt gesprochen, aber dass er mit Macht ausgestattet ist, und möglicherweise in Gegensatz zum Menschen mit seiner Wolfsnatur gerät, scheint ganz selbstverständlich und gut. Der Trick ist dadurch gewährleistet, dass Herrschaft als Bedürfnis erscheint, dass gerade die Gegensätzlichkeit der Institutionen als Bedürfnis des Menschen dargestellt wird. Und vor diesem Bedürfnis kann sich eigentlich keine der existierenden Institutionen mehr blamieren. Schließlich gibt es sie. Was braucht der Mensch mehr? Was leistet der Staat für den Menschen? Ohne Staat gäbe es nur Mord und Totschlag unter den Menschen, lautet die politologische Ableitung der Staatsgewalt. Klar ist dem Politologen offenbar, dass der Mensch von Natur aus gewalttätig ist. Das erübrigt die nähere Betrachtung und Erklärung von tatsächlichen Gewalttaten. Die Nachfrage, warum einer sich an fremdem Eigentum vergreift, seine Ehefrau schlägt oder im Krieg Leute umbringt, wäre bei dieser Staatsableitung auch gänzlich verfehlt, weil der Staat, der mit ihr als Gewalt verhindernde Instanz eingeführt wird, auf der zu korrigierenden Seite immerzu als bestimmendes Subjekt auftauchen würde: als Instanz, die Eigentumsverhältnisse aufrechterhält, aus dem Liebes- ein Rechtsverhältnis macht, Kriege erklärt und führt usf. Die Frage, wie es denn nun mit dem Staat in Sachen Gewalt auf Erden steht, ist aus demselben Grund ebenfalls ganz unangebracht. Im Politologieseminar, wo diese Begründung der Staatsgewalt aus der gewalttätigen Natur des Menschen den anwesenden Menschen ohnehin in Fleisch und Blut übergegangen ist, also keiner Erwähnung für wert befunden wird, ist dann umso mehr Raum, seiner schlechten Meinung über den Menschen freien Lauf zu lassen: Da soll sich eine Großfamilie über die Benutzung der einen Badewanne in die Haare kriegen - so ist der Mensch, ohne eine mit der nötigen Gewalt ausgestattete Staatsgewalt über sich könnte er die einfachsten Hygieneverrichtungen nicht absolvieren. Die wie immer viel zu knappen Opernkarten führen zum Chaos unter den Kulturliebenden und das macht eine Instanz notwendig, die mit Polizei die verbindliche Verteilung der Karten organisiert - das schafft Opernplätze, auf die offenbar ein vernünftiger Mensch auch dann nicht verzichten mag, wenn sie nur um den Preis eines mit allen Mitteln ausgestatteten Gewaltapparates zu haben sind. Und schließlich die Verkehrsampeln: Ohne Staat würden die Menschen gegen sämtliche Ge- und Verbote verstoßen - die es ohne Staat gar nicht gäbe. So richtig zusammenpassen mögen die angeführten abgelegenen und albernen Kinkerlitzchen mit dem, was aus ihnen Grandioses folgen soll, nicht. Das macht aber nichts, wo das Beweisziel feststeht und das Begründungsmuster beherrscht wird. Eine Ordnung muss her, wenn alles, was der Mensch treibt, ins Chaos führt, und dass Ordnung gleichbedeutend ist mit der Ordnung, die der Staat mit seiner Macht einrichtet und garantiert, leuchtet allen Beteiligten ein - wo es diese Ordnung nun mal gibt ... Dieser politologische Un-Mensch, der grundlos gewalttätig ist, ist zielstrebig daraufhin konstruiert, dass dann auf diesem Hintergrund eine Gewalt als Friedensstifterin erscheint. Die staatliche Gewalt verhindert in diesen Bildern schließlich nicht irgendein menschliches Interesse, sondern die grundlose Tyrannei seiner Natur. Damit verschwindet der Gewaltcharakter des Staates im Schafspelz der unwidersprechlichen Ordnung. Der Staat, der das Gewaltmonopol hat, inkorporiert sämtliche menschlich-tierisch-wölfische Seiten, und als solcher Oberwolf soll er Harmonie garantieren? So etwas kann nur gelingen bei einer Menschennatur, die gleichzeitig blindwütig und gehorsam ist; bei einer Menschennatur, die unglaubwürdigerweise um sich schlägt und zugleich die Fähigkeit besitzt, dem Staat gehorsam zu sein und so ihre eigene Natur zu überwinden. Was leistet die Gesellschaft für den Menschen? In der Dummheit des Verfahrens, vom Menschen auf die Notwendigkeit von Institutionen zu schließen, unterscheiden sich auch Soziologie und andere Wissenschaften nicht von der Politologie. Allerdings sehen sie natürlich die Natur des Menschen etwas anders, weil sie ja bei ihnen etwas anderes, die Gesellschaft, begründen soll. Was braucht der Mensch laut Soziologie? Verhaltenssicherheit natürlich. Wer gibt ihm die? Wer wohl! Die Gesellschaft. Was wäre demzufolge ohne Gesellschaft? Die Menschheit wäre eben in ihrer Verhaltensunsicherheit nicht lebensfähig. Hier sei jedem empfohlen, die Beispielswelt der Soziologie in dieser Frage zu studieren, der sie noch nicht kennt. Während nämlich Politologen sich einen Wolf im Menschen durch ständiges Überfahren roter Ampeln, Klauen und Schlägern bebildern und sich so bemühen, die Harmonie menschlichen Zusammenlebens als Leistung staatlicher Gewalt abzuleiten, sehen Soziologen die menschliche Wesensnatur anders. Sie zielen in ihrer Ableitung darauf, dass der Mensch im Unterschied zum Zufall Regeln brauche. Man betrachte die wenig bekannte Ableitung der Gesellschaft aus dem menschlichen Verkehr von Dahrendorf: „Nehmen wir an, unser Verhalten unterläge bloß den Gesetzen der Zufallswahrscheinlichkeit: Wenn wir jemandem die Hand zum Gruß geben, ist die Chance gleich groß, dass er uns ins Gesicht spuckt oder uns übersieht oder auf die Stirn küsst oder mit einer Pistole bedroht oder uns auch die Hand reicht; wenn wir eine Eisenbahn betreten, wissen wir nicht, ob sie uns nach Rom oder Moskau, Madrid oder Kopenhagen oder nur bis zur nächsten Weiche bringt. Wenn wir ein Auto zu kaufen suchen, wissen wir nicht, ob wir 4000 oder 10000 Mark oder 50 Dollar oder einen Schlag ins Gesicht dafür bekommen (und keine dieser Reihen ist vollständig) - kurz, die Vorstellung eines bloß zufälligen, menschlichen Verhaltens beschwört ein Bild herauf, an dem gemessen selbst der bellum omnium contra omnes noch eine Welt der Verlässlichkeit und Gesellschaft ist.“ Schön gesagt, die Grundbotschaft der Soziologie: Selbst eine Gesellschaft mit den hässlichsten Zuständen ist immer noch besser als gar keine! Wie kann man diesen Gedanken beweisen? Auch Soziologen stellen sich die Natur des Menschen dafür als einen einzigen Widerspruch vor: Auf der einen Seite will er etwas; auf der anderen Seite ist er nicht in der Lage, sich zu entscheiden. Nur auf dieser Basis erscheint dann eine Regel, also eine Einschränkung des Verhaltens als Ermöglichung desselben. Wäre der Mensch wirklich vom Zufall getrieben, dann wäre ihm dieses ganze Gemälde von Unsicherheiten wohl ziemlich egal. Das soziologische Bild lebt davon, dass ein Chaot nach Sicherheit verlangt. Weil der Mensch so viele Verhaltensmöglichkeiten habe, könne er keine realisieren, ist die Logik. Gerade die Freiheit des Menschen von Instinkten o.Ä. begründe seine Handlungsunfähigkeit. Soziologen unterstellen den Menschen als haltlosen auf der Suche nach einem Halt. Diese Sorte Orientierung bietet ihm dann die Gesellschaft von außen, aber auf Wunsch der zweiten Hälfte seiner Natur. Nur durch diese Vorstellung eines Menschen, der vor lauter Möglichkeiten nicht mehr aus noch ein weiß, wird die Vorstellung von Regelung, von institutioneller Determination zu einer Leistung der Gesellschaft für den Menschen. Was sagt also die Soziologie über den menschlichen Willen? Sie wünscht sich den geregelten Willen. Sie legitimiert jegliche Herrschaft über den Menschen dadurch, dass sie ein Portrait des Menschen als Knecht abliefert, der sich seine Unterwerfung bestellt: unfähig, sich seine Handlungen zu überlegen, schafft sich der Mensch dennoch Regeln, an die er sich anschließend klammern kann. Er hat keine Ahnung von dem, was er eigentlich tut, - also ist ihm durch ein Diktat, das er noch dazu selbst geschaffen haben soll, geholfen. Darin liegt die Freiheit seiner Natur, eine „Verhaltensunsicherheit“ durch einen diktierten Gehorsam zu überwinden. Dabei geht die Soziologie so weit, den Gewaltcharakter von Gesetzen und Institutionen im Unterschied zur Politologie zu leugnen: Normen kennt sie nur als Wünsche der GeseIlschaftsmitglieder. So dass sich die Wissenschaft fragt: wie kann die Bindung des Menschen an eine Gesellschaft, die ihm entspricht, enger gestaltet werden? Was leistet die Erziehung für den Menschen? Pädagogen neigen berufsmäßig zu einer besonders feinsinnigen Variante: Sie vermissen am MENSCHEN zunächst den Instinkt und stellen daran gemessen einen Antriebsüberfluss fest: Beides zusammen erfordert natürlich - Erziehung, damit der Mensch ein Mensch wird. Die vielen liebevollen Tiervergleiche, mit denen sich deutsche Professoren verdient gemacht haben, beweisen immer dasselbe: Sei es der „sekundäre Nesthocker“ (Portmann), sei es dessen „Instinktreduktion“ (Lorenz), sei es das „biologische Mängelwesen“ (Gehlen) - alle wollen die „Hilflosigkeit“ des Säuglings zum Argument über die menschliche Wesensnatur machen. Dass ein Säugling sich nicht selbst die Kartoffeln pflanzt, die er anschließend isst, soll ihn gegenüber dem TIER diskreditieren. Der MENSCH „’reift im Mutterleib zur Stufe des Nestflüchters, des Füllens oder des Kälbchens mit offenen Sinnesorganen und ausgebildeten Bewegungssystemen heran’ (Portmann). Trotzdem (!) - und das unterscheidet den Menschen von anderen höheren Säugetieren - ist das Kind bei der Geburt wesentlich hilfloser als zum Beispiel das Fohlen, das Kalb oder das Elefantenjunge.“ (Funkkolleg Pädagogik 3, 52) „Die Hilflosigkeit des Neugeborenen äußert sich in seiner mangelnden leiblichen Ausstattung, vor allem aber in mangelnden Trieben und Instinkten, die sein Verhalten in einer artspezifischen Umwelt regeln könnten.“ (Schiefele, Studienhefte, 1, 10) Die Gefestigtheit des TIERES besteht also darin, dass es instinktgefestigt ist - nicht gerade eine biologische Wahrheit. Das erste Ideal des Pädagogen ist das der Festgelegtheit menschlichen Handelns. Daran blamiert sich ihres Erachtens der Mensch. Er ist nicht so stur wie ihre Vorstellung von einem Tier. Gleichzeitig besitzt er die Fähigkeit, sich diese Geregeltheit - von Erziehern - beibringen zu lassen. Zwar „überschreiten (die menschlichen Antriebe) immer wieder auch die Grenzen der selbst geschaffenen Welt mit neuen Wünschen. Die Antriebe des Menschen zielen offensichtlich ins Unendliche.“ (Roth, Pädagogische Anthropologie, 1, S. 118) Doch lässt sich der Mensch gleichzeitig erziehen: „Es bedarf der Erziehung, dass sich das verantwortliche von Sach- und Werteinsicht getragene Werten gegenüber dem subjektiv-gefühlsmäßigen und egozentrischen Stellungnehmen durchsetzt.“ (ebenda, S. 117) In der Erziehung lernt der Mensch sich („subjektiv“ und „egozentrisch“) zur Verantwortung zu ziehen. Und das soll seine wahre Natur sein! Wie sieht der Pädagoge den MENSCHEN? Als unkontrolliertes Antriebspotential, das von ihm kontrolliert sein will, damit überhaupt etwas aus dem Antrieb wird. Wieder wird nicht behauptet, dass die Erziehung gegen Triebe des Menschen vorginge. Nein: Dadurch, dass sie das unkontrollierte Potential kanalisiert, verhilft sie ihm überhaupt erst zur Geltung. So wird die Legitimation des erzieherischen Gegensatzes die, eigentliche Bildungsinstanz zu sein: „Wir sind ihnen (den Antrieben) aber nicht wie die Tiere ausgeliefert, wenn es der Erziehung gelungen ist, in uns eine Oberperson aufzubauen, die regulierend und steuernd in diese Welt der Anmutungen, instinktartigen Impulse usw. einzugreifen vermag.“ (ebenda, S.176) Die doppelte Natur des Menschen: Der Wille zur Unterwerfung DER MENSCH ist ein Wolf mit dem Hang zum Guten, er ist ein Chaot, der sich nach Regeln sehnt, ein Bündel von Antrieben, die es an sich haben, gelenkt werden zu wollen. Das ist eine Sichtweise, die immer nur um ein Problem kreist: das Verhältnis des Menschen zu den staatlichen Institutionen. Bürgerliche Wissenschaftler konstruieren nicht umsonst eine gegensätzliche Menschennatur: Jeder erkennt in der Form der quasi-natürlichen Wesenseigenschaft an, dass der Mensch seine Bedürfnisse verfolgt, um diese Seite gleichzeitig schlecht zu machen. Keiner plädiert dafür, dass der Mensch ein Sklave sei, ein Untertan - aber dass er sich unterwerfen will, dass gerade seine Bedürfnisse nur dann erfüllbar sind, wenn es Herrschaft gibt, das wollen sie alle begründen. Das ist die Weise, in der demokratische Wissenschaft den freien Willen sieht: dazu geboren, sich unterzuordnen. Bürgerliche Wissenschaft sagt also nicht einfach: Unser Staat ist gut. Nein: Einen guten Grund für ihn, genauso für die Erziehung und Gesellschaft, will sie schon anführen und einen totalen, unwidersprechlichen dazu: Ohne Staat, Gesellschaft, Erziehung - nix Mensch; eine scheinhafte Schlussfolgerung, die es elegant umgeht, auch nur eine Eigenschaft des existenten Staates zu begründen und für menschlich zu erklären. Das heißt aber auch, dass demokratische Wissenschaftler keinerlei Maßstäbe haben, anhand derer sie die Institutionen beurteilen. Hauptsache, es gibt sie, dann ist die Bedingung der geistigen Elite schon erfüllt. www.sozialistischegruppe.de/hefte/2004/Menschennatur.txt