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Das Schicksal der
Arbeitslosen, des deutschen Standorts, ja ganz Europas entscheidet sich
an einer kommunikationstechnischen
Neuerung
Nächstens leben wir alle vom
Internet!
Peter
Decker
Die Stimmung im Land steigt. Endlich findet sich einmal
wieder ein Wirtschaftszweig, der mehr
Arbeitskräfte sucht, als er entlässt. Die
Wachstumsraten der „new economy“ - Telekom,
Medien und Informationstechnologie - stellen die
„alte Ökonomie“, die auch mit 2%-3%
jährlich wächst, weit in den Schatten. Den
Reden der europäischen Regierungschefs auf dem
Lissabonner Gipfel zufolge können nur
Zuwachsraten, wie sie dieser Sektor zeigt, den
„Wachstumsschub“ bringen, den Deutschland
und Europa brauchen, um die Vorherrschaft der USA in
der Weltwirtschaft zu brechen. Wie einst Chrustschow
den Westen will jetzt Europa die USA an Kapitalwachstum
ein- und überholen - und das schon in fünf
Jahren. Nichts geringeres nämlich als die
Schädigung der Konkurrenzposition der Supermacht
hat die EU sich in Lissabon vorgenommen. Europas
Wohlstand, seine Zukunft, seine Macht - all das kann
offenbar nur gewinnen, wenn sein amerikanisches
Gegenstück verliert. Ob diese friedvolle Vision
Wirklichkeit wird, hängt, glaubt man dem
Aufbruchs-Kanzler, voll und ganz von Verbreitung und
Benutzung des „worldwide web“ in Europa ab.
Dafür muss der alte Kontinent bis hinunter zum
letzten Kindergarten in Sizilien und in der Uckermark
„internetfähig“ gemacht werden.
Was ist das für eine Neuerung, die nicht den
interessierten Anbietern und Nachfragern von Technik
überlassen werden darf, sondern von der
politischen Führung zur nationalen Schicksalsfrage
hochgejubelt wird? Technisch gesehen ist das Internet
ein Kommunikationsmittel, über das Computer auf
die Daten anderer Computer zugreifen. Mit ihm werden
Texte, Bilder und Tonkonserven „in
Echtzeit“ verschickt oder abgeholt.
Das Internet - Ein durch und durch
kapitalistischer Gebrauchswert
Die vorstellbaren Nutzungsweisen des neuen
Kommunikationsmediums mögen vielfältig sein;
was aus ihm das Lebensmittel der Nation und eine
Potenzspritze Europas zu machen verspricht, ist einzig
und allein sein kapitalistischer Gebrauchswert: Man
setzt darauf, mittels des Internets Arbeiten und
Vorgänge zu beschleunigen, zu verbilligen und zu
rationalisieren, die es überhaupt nur wegen der
kapitalistischen Wirtschaftsweise gibt;
ökonomische Funktionen, die es nicht gäbe und
nicht bräuchte, wenn es beim Wirtschaften um die
möglichst zweckmäßige und
arbeitssparende Versorgung der Bevölkerung mit
nützlichen Dingen ginge und nicht darum, aus Geld
mehr Geld zu machen. Beiträge zur
Güterproduktion und ihrer Verbesserung werden von
der „new economy“ nicht erwartet,
dafür Dienstleistungen, die die Rentabilität
des Kapitals bedeutend steigern. Das „Netz der
Netze“ nützt, wenn die Erwartungen aufgehen,
von vornherein nur dem Kommerz.
„Zeit ist Geld!“
Dieses feine Prinzip gilt zuerst im kapitalistischsten
aller Geschäftsbereiche, dem Bankwesen. Dort wird
Geld gemacht, ganz ohne Waren zu produzieren und zu
verkaufen. Man handelt nur mit Geld, das Zinsen
trägt und mit dem puren Verstreichen der Zeit
immer mehr wird. Eine Schande, wenn diese
Reichtumsquelle eine Minute lang nicht investiert
herumliegt. Die Innovation, die den Brief und die
Brieflaufzeit abschafft, die den Zahlungseingang also
in dem Augenblick stattfinden lässt, in dem die
Überweisung ausgestellt ist, reduziert die
verschwendete Zeit, in der das Geld „nicht
arbeitet“. Darüber hinaus automatisiert das
electronic banking den Zahlungsverkehr und macht
Hundertausende von Angestellten überflüssig,
deren Erwerb der Handel mit Geld gewesen ist. Die
Banken sparen Lohnkosten und steigern das, worauf es
ankommt: ihren Profit.
„Realtime brokering“
Das Internet macht Börsendaten von allen
Handelsplätzen der Erde in jeder Privatwohnung
verfügbar und Kauf- oder Verkaufsentscheidungen
ebenso augenblicklich weltweit wirksam. Das Instrument
ermöglicht eine enorme Ausweitung des Kreises der
Leute, die sich aktiv an der Aktienspekulation
beteiligen. Nicht nur, aber auch dadurch steigt der
Strom des Gelds, das an die Börse fließt,
trägt zum allgemeinen Anstieg der Aktienkurse bei
und fördert das Geschäft, das mit dem
Aktienhandel zu machen ist. Für die Geldvermehrung
per Spekulation ist das Internet sehr
nützlich.
„Business to business
solutions“ Weil auch das Kapital,
das Waren produziert nie ruhen darf, sondern immer in
dem Prozess engagiert sein muss, in dem aus einem
Vorschuss ein Überschuss wird, verkürzen die
Unternehmer die Wartezeiten, die ihr schönes Geld
zwischen dem Einkauf der Vorprodukte und der
Produktion, zwischen der Fertigstellung der Ware und
ihrem Verkauf, sowie schließlich zwischen dem
Verkauf und der Zahlung erleiden muss. „Just in
time“ heisst das nicht ganz neue Prinzip, mit dem
Unternehmen ihre Lagerhaltung auf nahe Null bringen,
das Brachliegen ihres Kapitals reduzieren, d.h. seinen
Umschlag beschleunigen. Die Anforderungen an die
Koordination zwischen Lieferant und Empfänger
werden dadurch immer strenger. Die Vernetzung von
Betrieben macht Echtzeit-Informationen über
Bestand, Bedarf, Lieferzeit, Menge und Art der
gebrauchten Teile dem Geschäftspartner
zugänglich und macht seinen Betrieb - nur damit
das Geld nie ruht - planungsmäßig zu einem
Teil des eigenen.
„e-commerce“ Wenn die
nützlichen Dinge für den Konsum produziert
würden, dann wäre ihre Verteilung nur eine
logistische Aufgabe. Weil die Geschäftswelt den
Bedürfnissen der Leute aber nur deswegen ein
Angebot macht, um ihnen Geld aus der Tasche zu ziehen -
und das gegen andere Anbieter, die das Gleiche tun -,
wird aus dem Kundenfang und dem Verkauf eine riesige
eigene Geschäftssphäre, in der kaum weniger
Kapital engagiert ist und kaum weniger Arbeit
aufgewendet wird als in der eigentlichen Produktion.
Mit Hilfe des Internet wollen findige Konkurrenten eine
neue Art von Versandhandel aufziehen und den
etablierten Händlern Geschäft wegnehmen. Sie
bringen ihre Werbung dorthin, wo sie den Käufer
der Zukunft vermuten, ins Wohnzimmer und bieten ihm ein
„Shopping“ an, für das er keinen
Fuß vor die Tür setzen muss. Außer der
Lockwirkung auf den Kunden versprechen sich
Internethändler vom virtuellem Marktplatz auch
Kostenvorteile gegenüber dem realen. Der
elektronische Vertriebsweg kommt ohne gedruckte
Kataloge, ohne Verkaufsfläche und vor allem ohne
Verkäufer aus. Die Beseitigung von
Verkäufer-Löhnen und anderen Kosten steigert
den Gewinn.
Der Privat-User wird zur Durchsetzung des
neuen Kommunikationsmediums gebraucht!
Das neue Medium entfaltet sein
Rationalisierungspotential, wenigstens einen
großen Teil davon, nur, wenn das Netz durch
Millionen von nichtkommerziellen Nutzern die
Verbreitung erreicht, die es zum universellen
Vertriebsweg tauglich macht. Wenn Otto
Normalverbraucher sich anschließen lässt,
dann leistet er einen Beitrag zur Rationalisierung der
Profitmacherei - ohne
selbst ein derartiges Motiv zu verfolgen oder
sich einen
wirtschaftlichen Nutzen aus seiner Teilnahme am
Netz erwarten zu können. Er muss also gewonnen
werden. Die erste „online-Generation“
steigt auf den Zirkus dadurch ein, dass sie sich das
Mittel selbst zum Zweck machen lässt.
„Surfen“, das ziellose Herumschweifen in
den Weiten des Cyberspace, in denen nichts Bestimmtes
gesucht wird, gilt modernen Zeitgenossen ohne weiteres
als ein Nutzen des worldwide web. Der Gefahr, dass der
Unterhaltungswert des nackten Mediums enttäuschen
könnte, wird durch Inhalt vorgebeugt: Nackte
Weiber und Videospiele auf Mausklick, der Wetterbericht
vom Urlaubsziel und jede Menge Angebote an die
Aufgeblasenheit des lieben Ich rechtfertigen Preis und
Zeitaufwand, die das neue Medium fordert. Man kann sich
auf einer eigenen Homepage der ganzen Menschheit als
interessantes Individuum vorstellen, man kann in der
virtuellen Welt global „chatten“, auch wenn
man in der wirklichen nichts zu sagen hat und kein
Schwein sich für die eigene Meinung interessiert.
Hasenzüchter, Männerchöre und
Sado-Maso-Kreise bilden
„special-interest-groups“ und betreiben
ihre interessante Fachsimpelei nun im Weltmaßstab.
Virtuell aber auch nur virtuell steht der
online-Generation die ganze Warenwelt zur
Verfügung, alle Urlaubsziele sind erreichbar, mit
Promis und ihren Eigenheiten ist man elektronisch auf
Du und Du. Und außerdem gibt‘s im Netz
Information, Information und noch mal Information - so
als ob die Menschen an Informationsmangel gelitten
hätten und groß auf der Suche gewesen
wären. Jetzt werden Leuten, die auch bisher nicht
vor Wissensdurst vergingen, Milliarden Druckseiten zur
Lektüre angeboten.
Gleichgültig warum die Millionen „online
gehen“ -oft können sie keinen besseren Grund
dafür angeben als, dass das jetzt angesagt sei -,
in jedem Fall leisten sie ihren kleinen Beitrag dazu,
dass das Medium zum neuen
Standard der Kommunikation wird, dem sich kein
Händler, kein Verleger, kein Unternehmer und kein
Arbeitsloser mehr entziehen kann, wenn er nicht von dem
Verkehr abgeschnitten werden will, den sein Gewerbe
braucht. Viele Unternehmen, die von ihrer Kalkulation
her nicht so leicht auf ein Internet-Bedürfnis
gestoßen wären, brauchen jetzt unbedingt
einen Netz-Auftritt, weil man ohne ihn einfach
„out“ ist. Noch wird mit Internet-business
nichts verdient. Die Händler, die schon
elektronisch Bücher und Schallplatten verkaufen
machen Verluste, ebenso die meisten Internet-Banken. Ob
die Kostenersparnis, auf die alle setzen, so gewaltig
ausfällt, wenn erst einmal die Kosten für
Hard- und Software abgezogen sind, wird niemand mehr
nachrechnen können, wenn der neue Standard erst
einmal allgemein und unverzichtbar geworden ist. Dass
alle Anbieter bessere Geschäfte machen und mehr
verkaufen, bloß weil sie es via Internet
versuchen, kann sowieso nicht sein. Denn nicht
irgendwelche Schwächen des Vertriebs, sondern die
Beschränkung der Zahlungsfähigkeit der
Gesellschaft ist das Hindernis für ewig steigende
Verkaufszahlen. Manche werden also auch mit dem
Internet ihre Pleite erleben.
Das sicherste Geschäft mit dem
Internet machen die Hersteller von Netztechnik und die
Provider
Vorerst ist die Durchsetzung
des neuen Mediums in der Geschäfts- und der
Privatwelt das eigentliche
Geschäft.
Noch ehe kommerzielle Anwender mit dem Internet Gewinn
machen und unabhängig davon, wie groß diese
dereinst ausfallen, machen den Gewinn die
Verkäufer von Hard- und Software und die
Telekomfirmen, die den Netzzugang verkaufen. Auf dieses
Geschäft lässt sich setzten, weil das
Wachstum der PC-, Server-, Netzwerk- und der
Software-Industrie kaum aufhören wird, ehe nicht
der letzte Marktteilnehmer damit ausgestattet ist, wie
einst mit Telefon oder Fernseher.
Das wirkliche Wachstum dieser Wachstumsbranche aber
ist lächerlich gegenüber der Spekulation, die
auf dieses Wachstum losgebrochen ist und an dem alle,
die Geld haben oder borgen können, sich schon mal
im Vorgriff bereichern. Die Firmen, deren Aktien am
Neuen Markt in den Himmel schießen, haben oft noch
keinen Pfennig verdient; gehandelt werden
„Geschäftsideen“, die wahre Goldminen
werden würden, wenn sie sich solche Monopole auf
ihren Zukunftsfeldern erobern könnten, wie sie
Microsoft oder SAP schon haben. Was macht es, dass die
allermeisten dieser Neugründungen niemals so viel
verdienen können, wie in ihren Aktienkursen heute
schon vorweggenommen wird? Die Phantasiesummen sind
echtes Geld und werden tatsächlich bezahlt! Bis
ein größerer Crash der Internet-Spekulation
ein Ende macht, wie vor 100 Jahren der Eisenbahn-, der
Suez- und Panama-Kanal-Spekulation, leistet sie einen
hervorragenden Dienst für den Zweck, für den
sowieso allein gewirtschaftet wird: Sie vermehrt das
Geld von Leuten, die Geld haben. Dafür leisten sie
dem boomenden Wirtschaftszweig den Dienst, massig Geld
für noch so vage Geschäftsideen flüssig
zu machen und sein Wachstum zu beschleunigen. Beides
fördert die Attraktivität des deutschen und
europäischen Wirtschafts- und Finanzstandorts und
zieht internationale Anleger an.
Der nationale Kampf um den virtuellen
Marktplatz der Welt
Das ist die Zukunft Europas! Für Kapitalanleger
attraktiver werden als die USA! Und weil auf dem
IT-Sektor erstens wirklich viel Gewinn gemacht und
zweitens darauf noch viel mehr spekuliert wird, ist die
neue Technik „unsere“ Chance. Einmal
erfunden ist sie - dank Internet - zwar überall
verfügbar; aber das heißt keineswegs, dass
„wir“ ein bißchen abwarten und uns
dann von amerikanischen Servern das Nötige
herunterladen können. Im Gegenteil! Gerade weil
hier der Standard für das Geschäft von morgen
gesetzt wird, weil im Netz die Handelsplattformen
entstehen und weil Netztechnik Rationalisierungseffekte
für die gesamte Wirtschaft verspricht, muss Europa
den leidigen Vorsprung der Amerikaner wettmachen. Die
globale Vernetzung ist eben das Gegenteil von globaler
Zusammenarbeit. Es geht darum, Vorsprünge
gegenüber konkurrierenden Nationen herauszuholen,
Zugänge und Verfahren zuerst verfügbar zu
haben und andere dann von Standards abhängig zu
machen, die das eigene Land setzt. Alle
Wirtschaftsblöcke verfolgen das Ideal, die
virtuellen Marktplätze der globalen Ökonomie
bei sich national zu verorten, gerade weil es vom
Geschäft her gesehen so gleichgültig ist, in
welchem Land es sitzt. Dieses Wettrennen duldet keinen
Aufschub. Die Industrie muss ohne Verzug über all
die Arbeitskräfte verfügen können, die
sie nie hatte ausbilden wollen. Die Zeit, die eine
Schulung arbeitsloser Informatiker dauern würde,
darf nicht „verloren werden, sofort und aus aller
Welt müssen Fachleute für den
deutsch-europäischen Aufbruch hierher geholt
werden.
Wovon also leben wir?
1. Was heißt schon
„Wir“? Mit seiner Green-Card-Initiative
stellt Kanzler Schröder klar, dass dieses
„Wir“ rein politisch und gar nicht
buchstäblich gemeint ist: Die wirtschaftliche
Weltmacht Europa erhofft sich von einer politischen
Beschleunigung des Internet-Wachstums Vorteile für
den Kampf mit den USA um die wachstums- und
kapitalstärkste Wirtschaftsregion. Die
Arbeitslosen, die ein Jahrzehnt lang gesagt bekamen,
dass ihre einzige Chance auf neuen Erwerb ein
höheres Wachstumstempo des Kapitals sei, ja dass
Deutschland im Interesse seiner Arbeitslosen mehr
Wachstum brauche, müssen nun lernen, dass das
Wachstum in Gang kommt, sie aber nicht braucht. Das
Vaterland holt sich seine Leistungsträger
schneller und billiger von anderswo.
2. Die EU-Regierungen versprechen sich vom
Internet ungeheuere Effizienzfortschritte für die
ganze Wirtschaft. Worauf diese Fortschritte beruhen,
wird nicht groß hinausposaunt, ist aber auch kein
Geheimnis: Gewiß, in erster Instanz geht es um die
Beschleunigung von Zahlungsvorgängen, neue und
billigere Kanäle für Werbung und Handel,
schnellere Koordination von Produktion und Verkauf etc.
- in letzter Instanz beruhen sowohl Schnelligkeit wie
Billigkeit der Kommunikation darauf, dass bezahlte
Arbeit durch Technik ersetzt wird. Dadurch, dass
Bankangestellte, Postboten, Verkäufer,
Vertriebsleute und und und ihre Erwerbsquellen
verlieren und ihr Lebensunterhalt aus den Kosten des
Unternehmens gestrichen wird, steigt seine
Rentabilität. Wenn heute im IT-Bereich
Arbeitkräfte gesucht und gut bezahlt werden, dann
deshalb, weil die Arbeit dieser Glücklichen dazu
geeignet ist, jede Menge anderer Arbeitskräfte
überflüssig zu machen. Dafür sind die
Fachkräfte ihren Lohn wert, davon leben sie - und
das so lange, wie ihre Arbeit diesen Effekt
erbringt.
3. Der Lissabonner Aufruf zum Internet-Wettlauf
mit den USA wirft schließlich ein Licht auf die
eigentümliche Rolle der Produktivität der Arbeit für die Produktivität des Kapitals. Letztere
wächst offenbar gar nicht dann und in dem
Maße wie die Produktivität der Arbeit
wächst und die Lohnkosten eines Betriebs sinken,
sondern nur dann, wenn diese Kostensenkung
größer ausfällt als beim Konkurrenten.
Europa muss unbedingt vorne sein, weil die neue Technik
dem schon nichts mehr bringt, der sie als zweiter
einführt. Natürlich fällt die Arbeits-,
also die Lohnkostenersparnis beim zweiten Anwender
nicht kleiner aus als beim ersten. Als Kampfmittel in
der Konkurrenz um Märkte aber nützen nicht
günstige Kosten, sondern nur Kostenvorteile, die ein
Konkurrent dem anderen voraus hat. Mit ihnen kann er
den Preiskampf führen, dem Konkurrenten
Marktanteile wegnehmen und dabei immer noch Gewinne
machen. Nicht die
Produktivität
der Arbeit als solche wirkt im Kapitalismus als
Reichtumsquelle, sondern nur
der Produktivitätsvorsprung. Sobald ein
neues Produktivitätsniveau allgemein geworden ist,
ist es entwertet. Wir leben also keineswegs von den
Früchten nützlicher Arbeit und wir leben auch
nicht um so leichter, je produktiver diese Arbeit ist.
„Wir“ leben davon, dass „wir“
produktiver werden
als die Amerikanern, sie in der Konkurrenz ausstechen
und ihnen wegnehmen, wovon „wir“ leben -
sonst geht es umgekehrt.
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