Sozialistische Gruppe (SG)

Hochschulgruppe Erlangen/Nürnberg


SHZ #96 (Januar '17)
als PDF laden

Vortrag & Diskussion Nürnberg

Auch im Superwahljahr 2017 gilt:
Wählen ist verkehrt!

Gemeinhin steht das höchste demokratische Recht beim Volkssouverän nicht im allerbesten Ruf. Es ist sehr die Frage, ob freie Bürger die Wahl überhaupt vermissen würden, wenn sie mal nicht angesetzt würde. Weisheiten der Art, dass das Wählen ja eh nichts ändert und dass ‚die da Oben‘ sowieso machen, was sie wollen, sind Gemeingut weit über staatskritische Zirkel hinaus.

Je näher der Wahltermin rückt, desto leiser werden freilich diese abschätzigen Stellungnahmen, desto mehr setzt sich der Standpunkt durch, dass man auf den – wenn auch unendlich kleinen – Einfluss, den man mit einer Wahlstimme auf die Staatsmacht ausübt, nicht verzichten darf: Dann kommt es – die Parteien sagen es den Wählern ja vor – mal wieder „auf jede Stimme an“.

Der knappe Ausgang des Brexit-Referendums und der Wahl von Donald Trump sowie der im europäischen Superwahljahr drohende Aufstieg von nationalistischen, EU-feindlichen Parteien in allen Mitgliedsländern liefern dafür so etwas wie ein überzeugendes Argument. Tatsächlich, hätten mehr junge Briten, die eher pro-Europa sind, und mehr linke Amerikaner von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, wäre nicht Trump heute US-Präsident sondern Hillary Clinton, und der Brexit stände heute nicht auf der Tagesordnung der EU. Wie im Rest der EU sehen es auch viele Deutsche in der Septemberwahl als ihr Interesse und ihre Aufgabe an, den Populisten und Nationalisten, den Ausländer- und EU-Feinden den Weg zur Macht zu versperren.

Mag es Zweifel geben, ob eine Wahlbeteiligung positiv eine Änderung der Politik im Sinn des Wählers bewirkt, negativ als Instrument zur Verhinderung der Machtergreifung der Falschen ist sie über jeden Zweifel erhaben. Da will dann schon keiner mehr wissen, wofür er eigentlich Partei ergreift, wenn er mit der Absicht, die AfD zu stoppen, sein Wahlkreuzchen setzt. Das ist verkehrt, denn anders als dass man der Machtergreifung einer anderen Partei oder Führungspersönlichkeit und deren politischer Herrschaft über sich zustimmt, kann man sich in der demokratischen Wahl gar nicht vor der Herrschaft der rechten Nationalisten schützen. So ist nun mal die Freiheit der Wahl konstruiert.

Ein Vortrag mit Redakteuren der Politischen Vierteljahreszeitschrift GegenStandpunkt.

Donnerstag, 6. Juli 2017, 19:15 Uhr,
K4/Künstlerhaus (Festsaal), Königstraße 93, Nürnberg

Diskussionsveranstaltungen

G20 in Hamburg:
Der Gipfel gemeinsamer Verantwortung - Imperialistische Konkurrenz in Höchstform

G20-Präsidentin Merkel hat als Devise ausgegeben, dass die teilnehmenden Staaten „besondere Verantwortung für die Lösung aller globalen Fragen“ wie Klimawandel, Hunger und Flüchtlinge tragen, weil „sie immerhin drei Viertel des Handels und über vier Fünftel des Bruttoinlandsprodukts der Welt vereinen“. Wie schön, dass das Menschheitskollektiv, das gemeinsam unter allerlei vom Himmel gefallenen Problemen leidet, dann doch einen offensichtlich überhaupt nicht gemeinsamen Reichtum aufzuweisen hat, der sich irgendwie in ein paar Elite-Nationen sammelt. Die sind darum die berufenen Helfer für den betroffenen Rest. Solche Mächte haben „besondere Verantwortung“, verlangen also vom Rest der Welt und gegeneinander, dass sie verbindlich bestimmen, worin die „globalen Fragen“ und ihre „Lösung“ bestehen sollen. Neu ist dieses Jahr, dass der Chef des größten und mächtigsten Mitglieds des G20-Clubs an der Heuchelei gemeinsamer Verantwortung für die Probleme der Menschheit kein Interesse mehr hat. Für Deutschland eine große Herausforderung: Schafft es die Exportweltmeister- und europäische Führungsmacht, eine Front der G19 gegen den „Klima-Leugner“ und „Flüchtlings-Hasser“ Trump hinter sich zu bringen? Also sich zur Führungsmacht der Staaten zu machen, die sich zu reich und zu mächtig finden, um sich von den USA bei der „Lösung aller globalen Fragen“ ignorieren zu lassen? Die Menschheit darf auf jeden Fall gespannt sein, für welche Manöver imperialistischer Gipfeldiplomatie Klimawandel, Hunger und Flüchtlinge dieses Mal gut sind.

Worum es bei solchen Weltwirtschaftsgipfeln geht und was den aktuellen G20-Gipfel so speziell macht, das ist Thema unserer Diskussionsveranstaltung in:

Nürnberg:
Donnerstag, 13. Juli, 19:30 Uhr,
Nachbarschaftshaus Gostenhof (Raum 205), Adam-Klein-Str. 6

Erlangen:
Donnerstag, 20. Juli, 19:15 Uhr,
Sprecherrat (1. OG), Turnstr. 7

Buchempfehlung

Sabine Predehl
Rolf Röhrig

Gesundheit
ein Gut und sein Preis

100 Seiten
EUR 10
ISBN 978-3-929211-17-7
Erhältlich im Buchhandel und direkt beim Verlag. Dort auch als Ebook.


Die vorliegende Schrift

– erklärt, warum man so viel für seine Gesundheit tun muss, nämlich wodurch sie dauernd gefährdet und geschädigt wird.

– bestimmt den Fehler, den sich die medizinische Wissenschaft in der theoretischen Behandlung der gar nicht unbekannten gesellschaftlichen Krankheitsursachen leistet; sie benennt die affirmative Stellung zum System der Konkurrenz, die diesem Fehler zugrunde liegt, und zeigt die Konsequenz, mit der dieser Fehler in eine moralische Begutachtung der populärsten Krankheiten und ihrer Ursachen einmündet. Sie befasst sich außerdem speziell mit der Logik der wissenschaftlichen Pathologie des Seelenlebens sowie mit dem paradoxen Erklärungsmuster der Alternativ- oder „Komplementärmedizin“.

– befasst sich mit der medizinischen Praxis und dem vertrackten Verhältnis zwischen privatem Bedürfnis nach medizinischer Hilfe und allgemeinem Interesse an funktionstüchtigen Bürgern, also mit dem herrschenden Zweck, dem das von Staats wegen institutionalisierte Gesundheitswesen dient.

– würdigt das Geschäft mit der Gesundheit und das ebenso absurde wie erfolgreiche Bemühen des modernen Gemeinwesens, die Gesundheitsversorgung eines ganzen Volkes als Geschäftsfeld zu organisieren, dessen Finanzierung die Versorgten überfordert, also Nachhilfe durch staatliche Gewalt benötigt.

Buchempfehlung

Peter Decker
Konrad Hecker
Joseph Patrick
 
Das Finanzkapital

180 Seiten
EUR 20
ISBN 978-3-929211-16-0
Erhältlich im Buchhandel und direkt beim Verlag. Dort auch als Ebook.


Die vorliegende Schrift bietet

– keine Beschwerde über Zockerei und kriminelle Umtriebe der Finanzmafia;

– keinen Einblick in den Alltag ehrlicher Geldhändler;

– weder Untergangsprognosen noch Zukunftsperspektiven für eine Krisenbranche;

– keine kurzgefasste Banklehre oder einen TÜV für die Ratschläge vom Bankberater;

– keine Rezepte für eine bessere staatliche Geld- und Finanzpolitik.

Sie erklärt stattdessen

– das Verhältnis der Abhängigkeit und der Notwendigkeit, des Dienstes und des Regimes, in dem das Finanzgewerbe zur kapitalistischen Warenproduktion steht;

– die vom Staat verliehene und unterstützte Macht der Banken, Kreditzeichen als Geld zirkulieren zu lassen und mit Schulden Geschäfte zu machen;

– die Freiheit der ‚Finanzindustrie‘, mit dem Geldvermögen der Gesellschaft, das ihr gar nicht gehört, auf den Geschäftserfolg der Unternehmenswelt zu spekulieren, die ihr auch nicht gehört, und daran nicht nur zu verdienen, sondern alle Welt vom Erfolg ihrer Spekulationsgeschäfte abhängig zu machen;

– den Nutzen des Kreditgewerbes für den Staat, der mit Geld und Schulden regiert, und den Nutzen des Staats für das Kreditgewerbe, das ohne Zentralbank und öffentliche Schuldenverwaltung aufgeschmissen wäre; also die Symbiose von privater Finanzmacht und staatlicher Gewalt;

– die weltweit wirksame Macht über Investitionen und nationale Kapitalstandorte, die die Kreditbranche durch die staatlich betreute Internationalisierung des kapitalistischen Geschäftslebens gewinnt;

– den Dienst, den die Finanzmärkte für das Geld der Weltwirtschaftsmächte leisten, und die Geschäftsfreiheiten und -mittel, die sie dafür von den politischen Machthabern über die herrschende Weltordnung verlangen und bekommen; also die ökonomische Räson des modernen Imperialismus.

Kurzum: Das Buch widmet sich der Kritik der politischen Ökonomie des ‚globalisierten‘ Kapitalismus.

Buchempfehlung

J. Köper, U. Taraben
Der Fall Griechenland
Fünf Jahre Krise und Krisenkonkurrenz

Europa rettet sein Geld –
die deutsche Führungsmacht ihr
imperialistisches Europa-Projekt

130 Seiten
EUR 10
ISBN 978-3-929211-15-3
Erhältlich im Buchhandel und direkt beim Verlag. Dort auch als Ebook.


Alle Welt weiß: Griechenland ist ein Problem. Aber was für eins? Ein humanitäres? Ein finanzwirtschaftliches? Ein ordnungspolitisches? Eines für den Euro? Für Brüssel? Für Deutschland? Für die Griechen? Was für eins auch immer: Alle Welt kennt, vermisst, wünscht, fordert – eine Lösung.

Der Suche nach Lösungsvorschlägen verweigert sich die hier vorgelegte Aufsatzsammlung. Sie erklärt den innereuropäischen Imperialismus, der nicht nur den Griechen Probleme macht. Und warum der alles andere als Lösungsvorschläge für seine Probleme verdient.

GegenStandpunkt Vorträge im Video

Buchempfehlung

Peter Decker (Hrsg.)
Demokratie
Die perfekte Form
bürgerlicher Herrschaft

241 Seiten
EUR 14,80
ISBN 978-3-929211-13-9
Erhältlich im Buchhandel und direkt beim Verlag.


Freie Wahlen werden amtlich als Kernstück der Demokratie geschätzt. In der Demokratie, heißt es, wird nicht einfach regiert – das Volk erteilt per Abstimmung den Auftrag zur Wahrnehmung der Staatsgeschäfte.

Weniger amtlich betrachten Politiker wie Wähler diese Veranstaltung ohne solche Ehrerbietung. Demokratische Politiker nehmen Wahlen nüchtern als Bedingung und Gelegenheit, auf Kosten der Konkurrenten an die Macht zu gelangen. Und mündige Bürger haben Wahlen längst als Schwindel durchschaut. Wählen gehen sie selbstbewusst ohne Illusionen, damit etwas zu ‚bewirken‘ oder zu ‚verändern‘.

Sowohl die hohe Meinung über die hehren Grundsätze demokratischer Machtausübung wie auch das abschätzige Urteil über die praktische Betätigung des Volkswillens übergehen allerdings, was das Institut der freien Wahlen tatsächlich leistet: Mit den Wahlkreuzen legitimiert sich immerhin eine Herrschaft, die sich auf ihre Unabhängigkeit von ihrer Basis – vom ‚Druck der Straße‘ – viel zugute hält und von ihrer Freiheit regen Gebrauch macht. Und auch wenn es aufgeklärten Zeitgenossen ‚letztlich doch egal‘ ist, von wem sie regiert werden; egal sollte es ihnen nicht sein, dass sie von ihrer demokratisch gewählten Herrschaft alle Lebensbedingungen serviert bekommen, mit denen sie praktisch zurechtkommen müssen.

Vortragsreihe Wissenschaftskritik SS 2014

Vortragsreihe Wissenschaftskritik — Hier klicken!

Vortragsreihe Wissenschaftskritik WS 2013/14

Vortragsreihe Wissenschaftskritik — Hier klicken!

Vortragsreihe Wissenschaftskritik SS 2013

Vortragsreihe Wissenschaftskritik — Hier klicken!

Newsletter und Kontakt

Wer die Sozialistische HochschulZeitung und Ankündigungen unserer Veranstaltungen regelmäßig per Email erhalten will, klickt hier.

Sozialistische Gruppe (SG)
c/o Studierendenvertretung
Turnstr. 7, Erlangen
sg@sozialistischegruppe.de

Links

Zeitschrift GegenStandpunkt

argudiss – Vortragsmitschnitte des GegenStandpunkt

Contradictio – Termine bundesweit

Argumente zur Schule – Kritische Gedanken zur Schule und ihrem Lernstoff

Karl Marx: Das Kapital (HTML) (PDF)

Hier geht es zur alten Website der SG (mit SHZ-Archiv).

SG auf Facebook

SG auf YouTube

 

Diese Seite in Facebook teilen

Verantwortlich: W. Schweikert, c/o Turnstr. 7, Erlangen